Universum: Pleiten und Pannen nur Pech?
Gründe und Hintergründe für den Abstieg
„King Kohl“ wurde er genannt, auch „Don Kohl“ - in Anlehnung an Don King, den einst so mächtigen Boxpromoter mit der Starkstrom-Frisur, den Clown mit den bunten Fähnchen. Don King hat inzwischen an Macht verloren und Klaus-Peter Kohl, dem die Vergleiche mit dem recht zwielichtigen Ami nicht so gefielen, steht jetzt ein bisschen da wie „Don Camillo“ nach einem verlorenen Kleinkrieg mit „Peppone“.
„Peppone“ ist in diesem Fall Felix Sturm. Er zahlt zwar letztendlich eine knappe, schlappe Million, doch kann er sich eigentlich als Sieger fühlen. Schließlich hatte der Universum-Boss für die Freigabe des Box-Stars zunächst mal drei Millionen Euro gefordert. Jetzt ist die Messe gelesen. Sturm hat einen TV-Partner mit Sat.1, Universum hat einen verloren - mit dem ZDF. Was Sturm jetzt plant, ist unsere Titelgeschichte. Lesen Sie ab Seite 12.
Was Universum jetzt macht, steht dagegen weiterhin in den Sternen. Mit wem man auch spricht: Die Angst geht um, die Angst vor der Zukunft. Wie geht es weiter? Doch statt Antworten auf diese Frage geht es weiter mit der Pech-, Pleiten- und Pannen-Serie. Peinlich vor allem eine Pressemeldung von Georg Nolte, der sich „Mediendirektor“ nennt. Nach der Absage des verletzten Weltmeisters Jürgen Brähmer teilte er arrogant mit: „Die Karten behalten natürlich ihre Gültigkeit“ und ließ Brähmer sagen: „Das Programm ist auch so noch Weltklasse.“ Was dann da wirklich geschah, war gelinde gesagt eine Katastrophe. Lesen Sie auf Seite 18.
Wie es bei dem einst größten Boxstalls Europas wirklich weitergeht, was die Gründe für den Absturz waren, lesen Sie in der September-Ausgabe ausführlich.
In dem Wirtschaftsmagazin „Sponsors“ wurde schon über die Gründe der Universum-Probleme mit dem ZDF spekuliert. So glaubt Bernd Bönte vom Klitschko-Management, dass es ein Fehler war, auf Frauenboxen zu setzen („Regina Halmich war eine Ausnahme“). Falsch war nach seiner Meinung auch das Festhalten an Jürgen Brähmer, dem Boxer mit der Knast-Vergangenheit, die via Bild-Zeitung noch gepuscht wurde. Für Kalle Sauerland vom größten Universum-Konkurrenten ist der Grund ganz einfach: „Man hat auf Masse statt Klasse gesetzt!“
Für andere Experten wiederum lag der Abstieg an dem Aufstieg der jungen Garde im Management mit Kohls Schwiegersohn Dietmar Poszwa und seinen Kameraden. Von Apparatschicks ist hier die Rede, von zu wenig Menschlichkeit und Sachverstand.
Der Erfolgstrainer Ulli Wegner, jetzt auch Bundesverdienstkreuzträger, prangert dies im großen BoxSport-Interview an - allgemein für den Boxsport. Wegner redet hier Klartext und sagt: „Wir haben zu wenig Fachleute im Management. Die Promoter müssen mehr Risiko eingehen, damit wir bessere und spannendere Kämpfe sehen.“ Lesen Sie Wegners Klartext auf Seite 26. Dazu, was sein Star-Boxer Arthur Abraham in seinem nächsten Kampf des Super-Six-Turniers anders und besser machen will. Der Fight gegen Carl Froch findet jetzt am 2. Oktober in Monaco statt.
Nun noch ein Wort zu den Amateuren. Valentin Silaghis Start als neuer Bundestrainer war großartig. Einmal Gold (Makarov) und zweimal Bronze (Beblik, Burhard) bei der EM in Moskau - ein tolles Ergebnis. Aber wer hat von diesem Ereignis etwas gesehen oder gelesen? Kein Bild im Fernsehen, kaum einmal eine Meldung in den Tageszeitungen. Amateurboxen findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Warum tut da keiner was, Herr Kyas? Damit wenigstens die BoxSport-Leser informiert sind, haben wir die EM nochmal auf sechs Seiten aufgearbeitet und stellen Ihnen den Europameister Denis Makarov vor.
Zum Schluss noch eine Warnung für die Zukunft von Ulli Wegner, die sich alle hinter die Ohren schreiben sollten: „Wir können uns nicht auf dem ausruhen, was wir erreicht haben.“