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So entthronte Fury Klitschko

Esprit Arena – Fury gegen Klitschko

- ein Gastartikel von Martin Brosy –

Rückblick: Am 28. November war es wieder soweit. Wladimir Klitschko stieg gegen Tyson Fury in den Boxring und versuchte dort, seine vier WM-Titel erfolgreich zu verteidigen. Alle Wettanbieter – eine Übersicht gibt es hier – sahen Klitschko mit einer Quote von ca. 1,25 weit vorne, während auf einen Fury-Sieg eine fünffache Auszahlung erfolgte.

Dass es der 27-jährige Engländer Fury gegen Klitschko jedoch sehr ernst meinte, hatte er bereits im Vorfeld auf diversen Pressekonferenzen unter Beweis gestellt. Dass Klitschko allerdings im Kampf selbst nicht ein einziges Mal seine wahren Qualitäten zeigen konnte und gegen den Briten so hilflos wirkte, wie seit seiner letzten Niederlage vor über 10 Jahren, hätte sich im Vorfeld nicht einmal der Ukrainer selbst träumen lassen.

Taktikspielchen beginnen bereits weit vor dem Beginn des Kampfes

Der Kampf Klitschko gegen Fury war nicht nur während des eigentlichen Schlagabtausches von taktischer Ausrichtung geprägt, sondern schon im Vorfeld. Wie auf rp-online berichtet wurde, monierte die Truppe von Herausforderer Tyson Fury, dass der Ringboden zu weich sei und man so nicht kämpfen werde. Auf diesen Fakt angesprochen reagierte Wladimirs Bruder Vitali in einem Interview vor dem Kampf leicht gereizt und gab zu bedenken, dass der Brite nur nach irgendeiner Ausrede suchen würde, um den Kampf doch nicht stattfinden zu lassen und untermauerte diese Behauptung mit der Boxhandschuh-Problematik. Mit den zur Verfügung gestellten Handschuhen war der Herausforderer nämlich ebenfalls nicht zufrieden gewesen. Nach aufreibendem Hin und Her entschied sich Fury laut RTL dann dennoch mit den Handschuhen zu kämpfen, die eigentlich für Klitschko reserviert waren, sich aber nicht von übrigen Paaren unterschieden.

Was den zu weichen Boxring angeht, so konnte man es auf veranstalterischer Seite managen, eine Schicht Schaumstoffmaterial herauszunehmen, sodass am Ende auch Fury mit den Bedingungen zufrieden war. Bevor der Kampf losging, trat gegen 22.45 Uhr noch Rod Steward mit seiner neuen Single „Please“ auf. Zu einer Verzögerung des Kampfbeginns kam es trotzdem, weil Tyson Furys Vater nicht rechtzeitig beim Wickeln der Hände des Titelverteidigers Klitschko anwesend war. Gegen 23.20 Uhr konnte der Kampf aber schließlich doch noch beginnen.

Erste Runden sind von Hektik und überfallartigen Angriffen geprägt

Fury, kämpfend aus der blauen Ecke, beginnt hektisch und zappelt die ganze Zeit vor Klitschko herum, sodass dieser direkt von Beginn an einigermaßen überrascht und überfordert zugleich wirkt. Noch in der ersten Runde unterlässt es Fury auch nicht, Klitschko zu demonstrieren, dass er keinerlei Angst vor ihm hat und dies kein einfacher Kampf für ihn werden wird. Provozierend die Arme herunterhängen lassend versucht Fury, Klitschko dazu ermutigen, einen Angriff zu starten. Doch dieser lässt sich davon zunächst nicht beeindrucken und versucht wie üblich, seinen Gegner erst einmal auszugucken und Schwachstellen auszumachen.

Fury nimmt dies zur Kenntnis und versucht nun auch noch mit Mimik,ausgeprägten Gesten und Worten Klitschko zu motivieren. Damit reihte sich Furys Verhalten innerhalb des Rings auch in das Verhalten ein, das er vor dem Kampf etwa auf den Pressekonferenzen schon oft genug demonstriert hatte. Insgesamt geht die erste Runde in abtastender Manier ausgeglichen zu Ende. Die zweite Runde ist ebenfalls ausgeglichen, doch hier zeichnen sich bereits schon leichte Vorteile für den Herausforderer ab. Dieser bringt einen überfallartigen Angriff mit Schwung aus den Seilen, wobei der restliche Verlauf der Runde wiederum von Abtasten und Provokationen seitens Fury geprägt ist. Die dritte Runde ist insofern eine besondere, als dass Fury das erste Mal demonstriert, dass er auch in Rechtsauslage boxen kann. Unangenehm für Klitschko, aber dieser fand bis zum dortigen Zeitpunkt ohnehin noch kein Rezept, auch nicht gegen die Linksauslage.

Weitere Runden machen den Kampfrichtern die Überlegenheit Furys klar

Fury treibt indes das Provokationsspiel auf die Spitze und verschränkt seine Hände während des Kampfes hinter seinem Rücken, ist also völlig ungedeckt. Klitschko ist genervt, aber trifft den Briten trotzdem nicht. Die vierte Runde verläuft erneut relativ ausgeglichen, wobei Tyson Fury wiederum mehrmals die Auslage wechselt. Klitschko wirkt weiterhin ideenlos und kann gegen den mitunter explosiv angreifenden Fury nichts ausrichten. Die fünfte Runde geht schließlich sehr klar an den Herausforderer.

Er bringt eine schöne Links-Rechts-Kombination, wobei insbesondere die Rechte voll ins Ziel gelangt. Klitschko bekommt in dieser Runde zu allem Übel einen ungünstigen Cut unter dem linken Auge verpasst, was jedoch nicht auf eine Schlagwirkung, sondern ein Versehen während des Kampfes zurückzuführen ist. Nichtsdestotrotz hat Klitschko auch in dieser Runde immer noch keine Idee, wie er Fury wirklich gefährlich werden könnte. Dies resultiert in einer äußerst marginalen Anzahl an Treffern, die der Ukrainer auf seinem Konto verbuchen kann. Überhaupt ist auch in dieser Runde wieder auffällig, dass die Zuschauer

1. nicht viel richtiges Boxen,
2. stattdessen aber viel Geklammer und
3. Taktieren

zu sehen bekommen. Die fünfte Runde ist schließlich zu Ende. Fury geht Klitschko hinterher in dessen Ecke und provoziert diesen noch einmal mit Worten. Während der Cutman die Verletzung Klitschkos wieder einigermaßen flicken konnte, gibt es für die Zuschauer auch in der sechsten Runde wenig Grund zur Freude. Keinerlei Aktionen im Kampf, taktieren, tänzeln, aber wenig boxen. Fury ist weiterhin oft ohne Deckung, doch Klitschko kann den Briten nur selten bis überhaupt nicht treffen.

Klitschko bekommt einen weiteren Cut und hat keinen Kampfplan parat. Die siebte Runde ist wiederum eine Runde für den Herausforderer, denn Klitschko wirkt völlig planlos und kann den Briten nicht mit seinen Fäusten erreichen. Fury verschränkt seine Hände erneut auf dem Rücken, sodass inzwischen auch der letzte Kampfrichter zur Kenntnis genommen haben dürfte, dass Klitschko den Briten nicht in Bedrängnis bringen kann. Fury wechselt weiter die Auslage und kann in dieser Runde mit guten Treffen überzeugen. Die achte Runde ändert wenig, Klitschko liegt inzwischen auf den Stimmzetteln der Kampfrichter deutlich hinten, sodass diesem im Prinzip nur noch ein Knock-Out oder der Gewinn aller folgenden Runden helfen kann.

In der neunten Runde kann Klitschko kurz seine Fähigkeiten aufblitzen lassen durch eine Links-Rechts-Kombinationen. Unglücklicherweise ist diese Runde aber auch die, die dem Herausforderer mit einer satten Linken den klarsten Treffer des ganzen Kampfes beschert. Bestenfalls ist diese Runde also ausgeglichen. Die zehnte Runde ist ebenfalls ausgeglichen, beide Kämpfer landen zwar Treffer, die aber weitestgehend ohne wirkliche Wirkung bleiben. In der 11. Runde bekommt Klitschko auch noch einen Cut unter dem rechten Auge und blutet nun beidseitig. Da Fury es auch in dieser Runde nicht unterlässt, in regelmäßigen Abständen auf den Hinterkopf Klitschkos zu schlagen, bekommt er in dieser Runde einen Punkt abgezogen. Klitschko sieht inzwischen im Gericht zugerichtet aus, wobei Fury selbst quasi nicht einmal eine Macke hat.

Die letzte Runde, das Urteil und die abschließenden Worte Klitschkos

Die zwölfte Runde beschert dem Kampf schließlich ein hektisches Ende. Die Runde geht zwar an Klitschko, weil dieser einige gute Treffer landet und sichtlich darauf erpicht ist, einen Knock-Out zu landen, doch effektiv betrachtet ist Fury auch in dieser Runde nicht wirklich gefährdet. Der Gong ertönt, beide reißen euphorisch die Arme nach oben, doch bereits zum jetzigen Zeitpunkt ist jedem Boxfan klar: Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, kann Klitschko diesen Kampf nicht gewonnen haben. Dies sehen auch die Kampfrichter so und werten den Kampf wie folgt: 115 zu 112, 115 zu 112 und 116 zu 111 für den Herausforderer.

Damit ist klar: Der Boxchamp Klitschko ist nach über 10 Jahren das erste Mal wieder entthront und Fury kann jubeln. Im Interview sagt er, dass ein persönlicher Traum von ihm war geworden ist, was man ihm angesichts seiner Tränen auch unmittelbar glaubt. Aber auch Klitschko ist ein fairer Verlierer und gibt im Interview zu: „Fury hat das Beste gegeben, er hat es geschafft, ich hatte keine Schnelligkeit, Fury war flink und es hat einfach nicht funktioniert.“ Angesprochen darauf, ob es einen Rückkampf geben wird, bejaht Klitschko sofort, denn auch der Vertrag beinhaltet eine Rückkampf-Klausel. Wann und ob der Kampf stattfinden wird ist indes überhaupt nicht klar. Auf jeden Fall steht fest: Klitschko wird elementare Dinge ändern müssen, wenn er sich seine Titel zurückholen möchte.
 

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