Teofimo Lopez könnte gegen Lomachenko WBC-Franchise-Champ werden

Erst schien der Leichtgewicht-Showdown zwischen Dreifach-Weltmeister Vasiliy Lomachenko (14-1, 10 K.o.) und IBF-Champ Teofimo Lopez (15-0, 12 K.o.) in Gefahr zu sein, nun geht es mit...

Ani Haxhillari (l.) und Ibrahim Tarik (r.) im Viertelfinale der Berlin Finals 2019

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bleiben spürbar. Box-Events können oft nur ohne oder mit wenigen Zuschauern stattfinden, während stets strenge Hygiene-, Sicherheits- und Testprotokolle...

Die Fight Card für die SES-Veranstaltung am 22. August in Magdeburg nimmt Formen an. Nun wurden auch Fights der SES-Youngster Artur Henrik und Jurgen Uldedaj bestätigt.

Adrian Granat (15-2, 14 K.o.) wird in den Boxring zurückkehren. Das gab sein alter und neuer Promoter EC Boxpromotion bekannt.

Endspurt für Erik Pfeifer vor Dubois-Kampf

Noch knapp zwei Wochen muss Erik Pfeifer (7-0, 5 K.o.) im ECB-Gym in Hamburg schwitzen, bevor es für den zweifachen Olympia-Teilnehmer nach England geht. Dort wird er den bis dato größten Kampf...

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Bönte über Fury: „Die Wahrheit kam ans Licht“

Bönte über Fury: „Die Wahrheit kam ans Licht“
Bönte über Fury: „Die Wahrheit kam ans Licht“

Irre, aber auch irre gut im Ring – kein anderer Boxprofi in der Weltspitze hat so viele Facetten wie Tyson Fury. Unbestritten ist sein Aufstieg vom einstigen Skandal-Fighter zum gefeierten Schwergewichts-Champion. Doch wie tickt Fury, dessen Wegbegleiter lange Alkohol, Kokain und Depressionen waren, wirklich? BOXSPORT sprach mit dem langjährigen Klitschko-Manager Bernd Bönte über den rätselhaften „Gypsy King“.

Herr Bönte, Sie haben Tyson Fury bereits kennengelernt, als er noch Sparringspartner von Wladimir Klitschko war. Welchen Eindruck als Mensch machte er damals auf Sie – und welchen heute?

Das war 2010 in Wladimirs Camp in Österreich. Fury war damals als Begleitung seines Cousins Andy Lee, der wie Wladimir von Emanuel Steward trainiert wurde, im Camp. Fury hat aber mit Wladimir kein Sparring gemacht, da Wladimirs nächster Gegner Samuel Peter war, der deutlich kleiner ist als Fury. Fury war damals sehr zurückhaltend, schaute sich an, wie Wladimir trainiert, und wollte vor der Abreise sogar noch ein Foto mit ihm haben.

Er hat sich in den zehn Jahren nicht nur äußerlich sehr verändert.

Während der Promotion zum Kampf 2015 gegen Wladimir hat er immer wieder versucht, Wladimir zu provozieren – mal witzig, sehr oft aber komplett unterhalb des guten Geschmacks.

Nach Wladimirs Niederlage stand vertraglich ein Rematch auf dem Plan, zu dem es letztlich aber nie kam. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit im Austausch mit Fury und dessen Lager gemacht?

Sehr negative. Furys Seite versuchte immer wieder, Zeit zu gewinnen. Einerseits, indem sie Inhalte des längst unterschrieben Vertrags mit der Rematchklausel nachverhandeln wollten, anderseits hatte Fury angeblich eine schwere Fußverletzung erlitten. Er war aber – wie wir alle dann im TV sehen konnten – bei der Fußball-EM in Frankreich und feierte ausgelassen tanzend mit englischen Fans. Wie sich später rausstellte, war Fury zu dem Zeitpunkt wohl schon psychisch schwer angeschlagen und hätte niemals in ein Trainingscamp für einen Kampf gegen Wladimir gehen können. Bei einer Pressekonferenz in London einige Wochen später waren wir alle vor Ort, nur Fury kam nicht, weil er angeblich eine Autopanne hatte. Wir bestanden in dieser Phase weiterhin auf den vertraglich fixierten Dopingtests für beide Seiten und Fury fiel dann auch gleich bei einem der ersten Tests als Doper auf. Am Ende kam dann auch offiziell die Wahrheit durch ärztliche Bulletins aus England ans Licht, nämlich dass Furys Psyche stark angegriffen sei und er unter Depressionen leiden würde. In Interviews gab Fury das dann später auch offiziell zu. Der Rest mit dem Verlust aller WM-Titel durch die Verbände ist bekannt.

Wie hoch schätzen Sie seine boxerischen Fähigkeiten ein?

Er misst 2,06 Meter und hat in jedem Kampf große Reichweitenvorteile. Daneben ist Fury trotz seiner Größe und seines Gewichts sehr schnell, extrem beweglich und kann in jeder Auslage boxen, was es für alle Gegner extrem schwer macht, ihn zu treffen und unter Druck zu setzen. Er lässt durch seinen besonderen Stil die Gegner oft Luftlöcher schlagen und schlecht aussehen, frustriert sie. Furys Manko ist seine mangelnde Schlagkraft. 

Was würden Sie ihm in einem Duell mit Anthony Joshua zutrauen?

Nach den letzten Leistungen beider sähe ich Fury aktuell als leichten Favoriten. 

Viele schätzen auch Furys Fähigkeiten als Entertainer im Box-Business. Ist er in diesem Punkt eine Bereicherung für die Szene?

Solange sich seine Entertainer Qualitäten auf besondere Verkleidungen, witzige Walk-ins, Gesangseinlagen und lustige Videos beschränken, ist das absolut okay und sorgt durchaus für Unterhaltung.

Manche seiner Äußerungen sind ziemlich geschmacklos – ist das reines Kalkül, um Schlagzeilen um jeden Preis zu produzieren?

Das kann ich nicht beurteilen. Aber wenn Fury wie oft geschehen homophobe, sexistische und sogar antisemitische Sprüche klopft, ist das völlig unakzeptabel.
Fury überschreitet leider sehr häufig diese Grenzen. Vielleicht denke ich da konservativ, aber ich bin der Überzeugung, Spitzensportler stehen im Rampenlicht und haben eine Vorbildfunktion. Da sind und waren mir große Schwergewichtsweltmeister vom Schlag eines Anthony Joshua, Lennox Lewis, Rocky Marciano, Evander Holyfield,  Muhammad Ali, Max Schmeling oder der beiden Klitschkos – um nur einige sehr positive Vertreter zu nennen – doch deutlich lieber. 

Nach Drogenmissbrauch, Depressionen und schwerem Übergewichts hat Tyson Fury die Kurve bekommen, ist sogar ein zweites Mal Weltmeister geworden. Hätten Sie das jemals für möglich gehalten?

Ich kenne ihn privat zu wenig, um das beurteilen zu können. Aber das geschafft zu haben nötigt definitiv Respekt ab.

Interview: Frank Schwantes

 

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