Leon Harth im zweiten Hauptkampf bei „Petkos Beat & Box“ am 16. September

Am 16. September ist es so weit. In der Rudolf Weber Arena (ehem. König Pilsener Arena) Oberhausen will der Bielefelder WBA-Champion Leon Harth (20-5, 13 K.o.) seinen kürzlich erlangten...

Achtes Gym-Boxing von EC Boxpromotion am Samstag

Am 13. August wird EC Boxpromotion wieder dafür sorgen, dass im hauseigenen Gym die Fäuste fliegen werden (...

Teofimo Lopez: „Will das Halbwelter übernehmen“

Am 27. November des letzten Jahres verlor Teofimo Lopez (16-1, 12 K.o.) im Leichtgewicht gegen George Kambosos jr. (21-0, 10 K.o.), obwohl er als klarer Favorit in den Ring gestiegen war (...

Wilder: Ringrückkehr gegen Helenius geplant

Im Oktober 2021 verlor Ex-WBC-Weltmeister Deontay Wilder (42-2-1, 41 K.o.) das Finale der Ring-Trilogie gegen seinen Thronfolger Tyson Fury (32-0-1, 23 K.o.) in einer packenden...

Tragödie: David Lemieux verliert Vater durch Amoklauf

David Lemieux (43-5, 36 K.o.) erlitt im Mai eine T.K.o.-Niederlage in drei Runden gegen seinen Namensvetter David Benavidez (26-0, 23 K.o.), der zu den Fans des kanadischen Ringveteranen erzählt...

1 von 5

News

Erfolgreiche 4. Düsseldorfer Boxnacht

Ralf "Printe" Kompraß aus Düsseldorf (l.) gegen Alexander Müller aus Berlin
Ralf "Printe" Kompraß aus Düsseldorf (l.) gegen Alexander Müller aus Berlin

Berliner Boxer schlagen Düsseldorf mit 12 – 4, Ralf Krompaß unterliegt Alexander Müller nach harten Kampf, Eddie Müller und Martin Houben gewinnen ihre Profikämpfe.

„Guten Abend meine Damen und Herren und recht herzlich willkommen in der geilsten Stadt der Welt!“; waren die Eröffnungsworte des Ringsprechers bei der 4. Boxnacht in der Classic Remise am 27. November. Vladimir Eichholz, der Wolfgang Wycisk in seinem Amt als Präsident des Fördervereins Düsseldorfer Box-Vereine ablöste, stellte mit seinem Team einen Box-Event par Excellence auf die Beine. Bis einen Tag vorher war die Boxnacht kippelig. Corona lässt grüßen!

Der Event begann eine Stunde verspätet. Die 2G-Kontrollen für die nahezu 600 Zuschauer dauerten. Die Fans nahm es sehr gelassen, denn zur Entschädigung bekamen sie eine perfekt organisierte Veranstaltung mit dem Städtekampf zwischen Düsseldorf und Berlin, dem Thriller der „All-Time-Stars“ Alexander Müller aus Essen gegen Printe Krompass zu sehen. Danach ging es mit sechs harten Profikämpfen weiter, die Matchmaker Uwe Betker in den Event einbrachte. Mit Martin Houben, Eddy Müller, Sohn von Alexander Müller, dem Pulheimer Mario Benisch und drei Profis aus dem Felix Sturm Gym.

Die besten Amateur-Boxer aus Düsseldorf gaben den Auftakt gegen die Leistungsträger aus Berlin.  Dass die Berliner ihre Aufgabe sehr ernst nahmen, sah man an dem Trainerstab, den sie ihrer Athleten zur Seite stellten. Das waren der 2-fache Vizeweltmeister Mike Hanke, Bundesligaboxer und später Trainer beim deutschen Rekordmeister, dem Velberter BC, Rene Braun, ehemalige Stütze des Bundesligisten Hertha BSC und Hauptfeldwebel Markus Abramowski. Der war zu seiner aktiven Zeit die beste Fliege Deutschlands. Jetzt leitet er den erfolgreichsten Box-Bundesstützpunkt der Republik.

In der Ecke „der schönsten Stadt am Rhein“, so der Ringsprecher, standen die jeweiligen Clubtrainer und Förderverein-Präses Vladi Eichholz.

Sieben Gefechte wurden für den Städtekampf angesetzt. Auftakt gaben der Berliner Mboyo Salomon und Saad Kreide für Düsseldorf in der Gewichtsklasse bis 46 kg.
Saad fuhr die ersten Punkte für Düsseldorf ein. Er konterte Salomon klassisch aus. Auf die Angriffe des Berliners antwortete er mit langen geraden Schlägen „straight“ durch die Mitte.

Der zweite Kampf war das Rematch des 57-kg-Finales der deutschen U17-Meisterschaft zwischen dem damaligen Sieger Mark Thomas, Düsseldorf und dem zweitplatzierten Anel Rahimic. Anel ist ein Angriffsboxer, während Mark seine Aktionen am liebsten aus der Defensive setzt. Wieder rechneten die Düsseldorfer mit einer totalen Offensive. Zur Überraschung verlegte sich Anel aber aufs Kontern. Der Kampf wollte sich nicht entwickeln und blieb bis zum Schlussgong ausgeglichen. Schwerstarbeit für die Jury. Sie gab den äußerst knappen Sieg an Anel und die Berliner Trainer für ihre wahrlich taktische Meisterleistung.

Im Halbwelter standen sich zwei Deutsche Vizemeister gegenüber. Hassan Moussa, Berlin, sicherte sich Silber in der Klasse bis 60 kg bei der internationalen U18-DM in Köln, während an gleicher Stelle der zweite Platz im 57-kg-Gewicht an Nils Holz ging. Die erste Runde ging an Nils. Auch im zweiten Durchgang lag Nils vorn, doch dann schaltete er 30 sec. vor Schluss ab. Vermutlich war er gedanklich schon in der Pause. Hassan nutzte dies aus und sicherte sich die runden‑entscheidenden Punkte. Auch dieser Gefecht war für das Kampfgericht sehr schwer zu werten. Erneut gab es den Sieg an Berlin.

Der Düsseldorfer Motor stotterte. Daran konnten auch Ismael Aidin gegen Alexandros Papadopuls, 67 kg, Morad Möllenbeck gegen Alen Rahimic, 57 kg und Daniel Beeck gegen Mohamed Dahami, 63 kg, nichts ändern. Sie alle gaben ihre Gefechte nach Punkten ab.
Die letzten beiden Punkte für den 10:4-Endstand gewann der Düsseldorfer Imad El Mahi in der 67-kg-Klasse gegen Witalij Dell. Imad beherrschte Kampf und Gegner aus der langen Distanz und ließ bei Witalijs Halbdistanzangriffen nichts zu. Imads Punktsieg war klar und einstimmig. Das freute seinen Coach Steffen Müller, denn Corona-bedingt wartete sein Schützling schon lange auf den nächsten Wettkampfeinsatz.

Ohne Zweifel, das Glanzlicht des Events war der Superschwergewicht-Fight zweier alter Haudegen. Es standen sich gegenüber der Präsident des Boxring Düsseldorf, Ralf Krompaß, 53, der in seiner Stadt eigentlich nur als Printe bekannt ist. Über 140 Einsätze sind in seinem Startpass nachzulesen. Als Ligaboxer sorgte das Düsseldorfer Original für Furore.In der roten Ecke der Headcoach und 1. Vorsitzende des BC Vogelheim Alexander Müller, 47. 
Printe musste ein echtes Brett bohren, denn Alexander war in seiner aktiven Zeit Meister der Sowjetunion. Der überragende Athlet kommt auf grob abgeschätzte 300 Amateurkämpfe. Deshalb bereitete sich Printe akribisch auf den Wettkampf vor, unter anderem mit einem der besten Superschwergewichte Deutschlands. Mit Max Keller, dem mehrfachen Deutschen Meister und Silbermedaillengewinner beim Chemiepokal. Bei der WM  2017 in Hamburg boxte sich der Neu-Düsseldorfer unter die besten 16.
Schon der Einlauf war sehens-, vor allem hörenswert. Alexander wünschte sich das russische Volkslied Kalinka, Printe hatte es mit den Toten Hosen und dem Altbierlied. Bereits beim „Walk in“ feierte das Publikum die beiden ab.
Der Kampf war erstklassig, stilistisch einwandfrei und technisch makellos. Referee Volker Bierbach griff so gut wie gar nicht ein und ließ das Gefecht unterbrechungsfrei durchlaufen.
Es ging gleich zur Sache: Printe suchte den Infight und ging zur Leber (so kennt man ihn) während Alexander mit langen Schlägen auf seine Chancen wartete. Die Workrate der beiden war überwältigend. Das gefiel dem Publikum, denn sie feuerten ihre Kämpfer mit ohrenbetäubenden Lärm an.
Printe bekam konditionelle Probleme und Alexander übernahm zunehmend die Kampfkontrolle.
Im letzten Durchgang haute Alexander erstklassige Dreierkombinationen, die Tock-Tock-Tock, bei Printe einschlugen. Printe schwächelte, aber fiel nicht. Er ist halt ein echter Düsseldorfer.
Punktsieger: Alexander Müller. Printe war der Erste, der seinem Freund gratulierte.

Pokale gab es auch, die die Firma Abeba durch ihren Geschäftsführer Stefan Becker überreichen ließ. Stefan war ein sehr erfolgreicher  Amateurboxer und später Trainer beim PSV Düsseldorf.
    • Bester Techniker: Alexandros Papadopulos (Berlin)
    • Bester Kämpfer: Imad El Mahi (Düsseldorf)
    • Bester Kampf: Alen Rahimic (Berlin) und Morad Möllenbeck (Düsseldorf)

Nach den Amateuren übernahmen die Profis das Seilgeviert. Die sechs Kampfpaarungen,  die Matchtmaker Uwe Betker zusammenstellte, waren spannungsgeladen und explosiv.

Hauptkämpfer waren Eduard „Eddie“ Müller und Martin Houben.

Eddie war unzufrieden. Er kochte auf das vereinbarte Kampfgewicht ab. Bei ihm zeigte die Waage 66 kg an. Sein Gegner, der Kroate Anto Nakic, brachte 69,1 kg und war damit drei Kilo über dem vereinbarten Limit. Drei Kilo Differenz bedeuten in den leichten Gewichtsklassen Welten in der Leistungsstärke. „Eigentlich hätte ich den Kampf absagen können, doch ich wollte meine Fans nicht enttäuschen“, sagte der Essener Sympathieträger später im Interview. „In der ersten Runde hatte mich Anto richtig gut erwischt. In der Pause bin ich in mich gegangen. Ich habe mich selbst angespornt und gesagt, Mensch Eddie, jetzt holen wir das Ding.“ So war es auch, Eddie boxte den Kroaten aus, ließ ihn Luftlöcher schlagen und setzte zielsichere Konterschläge. Doch man sah, dass sein „Abkochen“ Kräfte gezehrt hatte. Seinen Schlägen fehlte es an der gewohnten Power. Dennoch, Eddie sicherte sich nach den vier Runden einen souveränen Punktsieg.

Der Hauptkampf des Abends zwischen Martin Houben aus Übach-Palenberg und dem Kölner Mohamed Boulahya entwickelte sich von einem intensiven Kampf zu einer grandiosen Schlacht, die Martin Houben nach 1:35 min. in der achten und letzten Runde durch K,o. für sich entscheiden konnte. Es war das vielzitierte Gefecht zweier Gladiatoren, die sich mit unerbittlicher Härte in der Arena gegenüberstanden. Es war eine technische Meisterleistung, mit der Martin brillierte. Mit einem hochfrequenten Führhandboxen zerstörte  Martin Mohameds Deckung. Darüber hinaus hatte er auf dessen Angriffe immer eine stimmige Antwort parat. Mohamed kämpfte aufopferungsvoll. Dennoch konnte er Martins vorgegebener Schlagfrequenz mit zunehmender Kampfdauer nicht mehr folgen. Im letzten Durchgang riss Martin den überaus sympathischen Kölner mit einer Doublette von den Füßen. Doch der wollte sich einfach nicht aufgeben. Sichtlich angeschlagen stellte sich Mohamed erneut dem Kampf. Mit einem Powerangriff beendete Martin vorzeitig.
Für seine Leistung wurde Martin mit dem Pokal des besten Profikämpfers ausgezeichnet.

Alle Ergebnisse:

Halbschwer: Martin Houben, K.o. (Rd. 8)  gegen Mohamed Boulahya
Mittel: Anas El Abid, F. Sturm Gym, T.K.o. (Rd. 2) gegen Ferenc Hafner
Superwelter: Malik Aksakal, F. Sturm Gym, PS gegen Gabor Kovacs
Superwelter: Mario Beniesch, PS gegen Krisztian Santa
Welter: Eddie Müller PS gegen Anto Nakic
Superleicht: Ilias Kallouch, F. Sturm Gym,  PS gegen Mansour Mohammadi

O-Töne zur Veranstaltung:

Peter Schwabe, Präsident des Stadtsportbund Düsseldorf: Mein Kompliment für die gelungene Veranstaltung. Mich freut es, wie enthusiastisch und fair unsere Box-Vereine kooperieren. Ich bin mir sicher, dass das Potential dieser Zusammenarbeit schon in naher Zukunft gehoben werden könnte. Den Sieg der Berliner muss man anerkennen.
Helmut Vorholt, Förderer und Mäzen des Düsseldorfer Boxsports: Für mich war es eine hervorragende Boxveranstaltung.
Nächstes Jahr feiert Düsseldorf sein 30-jähriges Partnerstadt-Jubiläum mit Moskau. Da wäre es doch nur logisch, als sportlichen Höhepunkt der Feierlichkeiten einen Städtekampf unserer Jungs gegen die aus Moskau einzuplanen.
Serge von Berge, leitender Landestrainer und Leistungssportkoordinator NRW: Trotz der Niederlage bin ich von den gezeigten Leistungen der Düsseldorfer positiv überrascht. Und wenn Düsseldorf tatsächlich nächstes Jahr gegen Moskau boxen würde, dann werde ich Düsseldorf zur Seite stehen.

Foto: 

IMAGO / Horstmüller